Gert Prokop war nicht nur ein bekannter Kinderbuch-, Science Fiction- und Krimiautor der DDR, seine Werke wurden auch in Westdeutschland verlegt. Nun veröffentlicht der Mitteldeutsche Rundfunk Neuinterpretationen seiner dystopischen Detektiv-Geschichten als Hörspiel.

Bekannt wurde Prokop im Bereich der wissenschaftlichen Phantastik unter anderem durch seine 1977 veröffentlichten Kurzgeschichten rund um die von ihm erschaffene Figur des Detektivs „Timothy Truckle“, der in einer düsteren Zukunftsversion des Chicagos des 21. Jahrhundert Kriminalfälle löst. Die Geschichten enthalten viele Prognosen technischer Entwicklungen aber auch einige dunkle Vorahnungen zu möglichen zukünftigen Entwicklungssträngen der Gesellschaft, wie sie typisch für den damals in der Entstehung begriffenen Cyberpunk waren.

In den 1980er Jahren schaffte „Timothy Truckle“ sogar den Sprung in die BRD, als die Kurzgeschichtensammlung „Wer stiehlt schon Unterschenkel?“ unter dem alternativen Titel „Tod der Unsterblichen“ im Heyne-Verlag veröffentlicht wurde. 1994 starb er nur wenige Monate bevor er den Kurd-Laßwitz-Preis erhalten sollte.

Nicht vielen utopischen Autoren aus der ehemaligen DDR ist es gelungen Geschichten zu kreieren, die auch lange nach dem Untergang dieses kleinen Landes noch ihre Fans finden. Prokop bildet hier eine der wenigen Ausnahmen. Seine Bücher erfuhren nicht nur gedruckte Neuauflagen, sondern sind inzwischen auch als E-Book erhältlich. Dem anhaltenden Interesse trug der MDR Rechnung indem er bereits 2022 und 2023 eine siebenteilige Hörspielserie auf Basis der Kurzgeschichten produzierte. Diese sind nun um drei neue Folgen erweitert worden und seit dem 6. November 2025 in der ARD-Audiothek abrufbar.

Wer darüber hinaus noch weiter in die Welt des Timothy Truckle eintauchen möchte, kann auf Youtube die Audioaufzeichnung des Vortrages „Eine Dystopie des Spätkapitalismus bei Gert Prokop“ anhören, den Alexander Amberger am 25. August 2020 im Helle Panke e.V. in Berlin gehalten hat.

2 Antworten zu „Hörspieltipp: Timothy Truckle ermittelt“

  1. Obwohl Wessi ist mir die DDR-SF schon lange ein Begriff, Gert Prokop und Timothy Tuckle inbegriffen. Erst vor ein paar Tagen haben ich nach längerer Zeit mal wieder in Ambergers „Die Dystopie des Spätkapitalismus bei Gert Prokop“ reingelesen und freue mich, hier den Hinweis auf eine mir bisher nicht bekannte Aufzeichnung seines Vortrags darüber in der Hellen Panke zu finden.

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    1. Ich habe das noch gar nicht gelesen, aber dein Kommentar ist eine willkommene Erinnerung daran, dass ich mir das Heftchen eigentlich besorgen wollte. 🙂

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